Süßigkeiten, Nahrungsmittel & Spielsachen oder Sticker für Kinder
Auf dem Roadtrip oder per Rad unterwegs? Perfekt, um etwas mehr Gepäck mitzunehmen, um ärmeren Kinder oder generell Personen bzw. Familien, die in sehr abgelegenen Gegenden wohnen eine Riesenfreude zu machen. Ich trage häufig viele verschiedene Sticker-Pakete mit mir, aus dem sich die Kinder dann eins aussuchen dürfen.
Verschenken von Gutschein für einen Shop, eine Dienstleistung, einen Ausflug oder Attraktionen
In vielen Reiseländern ist der Alltag der Angestellten von langen Arbeitszeiten und einem kargen Hungerlohn geprägt. Wenn mir jemand durch herausragenden Service positiv auffällt – egal ob im Service, am Empfang, der Nachtwächter oder das gesamte Massageteam –, bedanke ich mich dafür auf meine ganz eigene Weise. Eine süße Pralinenschachtel, ein frischer Blumenstrauß oder eine handgemachte Torte wirken oft Wunder.
Wie wichtig diese Wertschätzung ist, zeigte sich in Vietnam, als mein Koffer kurz vor dem Abflug gen Heimat schlappmachte: Eine Rolle war gebrochen. Während der Chef des Koffershops das Problem als „unlösbar in der kurzen Zeit“ abtat, nahm sich die junge Mitarbeiterin Linh der Sache an. Wie ich am nächsten Morgen erfuhr, hatte sie ihre Freizeit geopfert und war für mich quer durch die Stadt gefahren, fest entschlossen in einer von diversen Werkstätten ein Ersatzteil zu finden. Das Vorhaben scheiterte zwar, doch ihr grandioses Engagement war unbezahlbar. Als ich den Koffer abholte bedankte ich mich bei ihr mit einem eleganten Parfum und Frühlingsblumen. Sichtlich bewegt stammelte sie, dass ihr in all den Jahren noch kein einziger Kunde ein Geschenk gemacht hatte. Sie musste es gleich überall rum zeigen.

Sprachen: Ein Abo für die Zukunft
Ich unterhalte mich mit dem jungen Angestellten aus dem Straßenkiosk neben dem Hotel, merke wie es ihm recht schwer fällt Englisch zu reden, ermutige ihn aber permanent weiter. Dazu erzähle ich ihm, wie schwierig es für mich wäre seine Sprache zu lernen. „Fehler machen klug, deshalb ist einer nicht genug!“ In den kommenden Tagen kaufe ich immer wieder dort und erfahre etwas mehr über ihn, seine Familie und ein paar seiner Träume. Ich stelle ihm diverse kostenlose Möglichkeiten vor in der heutigen Zeit sprachen zu lernen: Gemini Live, spezielle Kanäle auf YouTube, Instagram-Accounts (für Anfänger: @english.with.nab, Fortgeschrittene: @bbclearningenglish) sowie eine 100-tägige Testversion der Jumpspeak-App. Jede Person präferiert unterschiedliche Arten des Lernens. So ist für jeden etwas dabei.
Mit einigen Personen meiner Reise bleibe ich auch danach weiterhin in Kontakt. Wenn ich dann ernsthafte Ambitionen sehe, eine Sprache weiter zu lernen zahle ich auch schon mal die Sprachlern-App für so eine Person. Meine Zahlungsdaten brauche ich durch Einweg-Kreditkarten, wie sie zum Beispiel von Revolut angeboten werden, dadurch gar nicht aus der Hand zu geben.
Homestay/Familiäres Hotel: Private Verbindungen nutzen
Während eines Aufenthalts in einem Homestay in Vietnam komme ich mit dem Neffen meines meines Gastgebers ins Gespräch. Ich frage ihn, ob er mich einen Tag lang zu seinen liebsten Plätzen führt. Er willigt ein und zeigt mir ganz ohne Eile Wasserfälle und andere naturbelassene Orte, die nicht komplett von Touristenmassen überfüllt sind und in keinem Reiseführer stehen. Das Mittagessen bezahle ich natürlich auch gerne schließlich hat er mich zu einem seiner Lieblingsrestaurants gebracht, wo es typisches lokales Essen zu fairen Preisen gibt. Mit einer Menge von Fotos und unzähligen neuen Eindrücken im Kopf zahle ich ihm am Ende des Tages ein faires Honorar. Ich sammle Momente, keine Gegenstände. Häufig lassen sich gerade im asiatischen Raum über derlei private Kontakte von Gastgebern auch günstige Fahrten oder Touren in weiter entfernte Städte organisieren.
Alternativ lassen sich über die Webseite www.withlocals.com oder mittlerweile auch über AirBnb Erlebnisse (Filter auf private Gastgeber) solche Erlebnisse buchen aber spontan und aus der Situation heraus ist es nochmal etwas ganz anderes.
Kleidung /Schuhe verschenken
Hin- und wieder kommt es vor, dass ich auf der Straße sehr armen Menschen begegne, die nicht einmal Schuhe tragen, nur einen Schuh oder komplett kaputte. Genauso verhält es sich mit Kleidung. Mehr als einmal ist es mir so schon passiert, dass schlussendlich ich die Person war, die ohne Schuhe oder ohne Hemd zum Hotel zurückgegangen bin, weil ich es als notwendiger erachtet habe, meine Kleidung oder Schuhe (bei Größe 47 nicht so einfach) einer bedürftigen Person zu verschenken. Auch von meinen Eltern weiß ich, dass sie das mitunter schon gemacht haben.
Blumen für die Buchungsagentur
Ich sitze in Hanoi im Buchungsbüro einer kleinen Reiseagentur, meiner Lieblingsagentur um genau zu sein. Die ältere und sehr freundliche Dame hat stundenlang geduldig meinen Plänen zugehört, mir Vorschläge unterbreitet, mit mir meine Reise geplant und um den Gesamtpreis gefeilscht. Am Ende ist, mit einigen Schwierigkeiten, weil das Bankterminal mal wieder nicht funktionierte, ein sehr abwechslungsreiches Programm zum guten Preis für beide Parteien rausgekommen.
Am nächsten Tag bringe ich ihr ein paar Blumen und einen Kaffee oder eine kleine Box Pralinen vorbei. Je nachdem, was ich gerade finde. In einem stressigen Arbeitsalltag ist diese unerwartete Geste der Freundlichkeit oft mehr wert als jedes sachliche Danke. Sie scherzt, dass sie so einen netten Mann bald doch mal ihrer Tochter (natürlich im heiratsfähigen Alter) vorstellen müsse. Ich lache, grüße noch kurz, verlasse das Büro und freue mich jetzt schon auf die nächste Buchung mit ihrer Agentur.
Natürlich kann sich mein oben geschildertes Szenario auch im Hotel oder anderswo abspielen, wo ich an freundliche oder hilfsbereite Menschen einfach auch mal so aus heiterem Himmel kleine Geschenke hinterlasse. Diese habe ich entweder anderswo während meiner Reise oder bereits in Deutschland gekauft.

Wertschätzung auch für harte Jobs
Mein Hotel liegt im District 1 von Ho-Chi-Minh-City, direkt an einem zentralen Park. Schon seit Tagen ärgerte mich der Anblick des zugemüllten Teichs in der Mitte, wo ich andauernd dran vorbeiging. Eines Tages sah ich von meinem Balkon aus, wie die Männer der Stadtreinigung bei drückenden 40°C Hitze den ganzen Unrat aus dem Wasser fischten. Ich ging kurzentschlossen hinüber und zeigte ihnen mein Handy: Über Google Translate bedankte ich mich für ihren unermüdlichen Einsatz gegen den Müll. Als Zeichen meiner Anerkennung drückte ich ihnen genug Geld für ein gutes Mittagessen in die Hand. Ein wenig echte Wertschätzung für solche harten Jobs ist im Alltag einfach unbezahlbar. Sie waren sehr dankbar und ich konnte die Natur im Park die nächsten Tage viel besser genießen.
Kooperationen statt Konkurrenzdenken
Anstelle von permanentem Konkurrenzdenken schlage ich Hotels ohne eigenes Restaurant oft vor, Rabattkarten für Partner-Restaurants im Ort auszulegen. Dasselbe Prinzip gilt natürlich auch für vergünstigte Eintrittskarten bei regionalen Sehenswürdigkeiten oder Kooperationen mit lokalen Geschäften.
Es ist schon vorgekommen, dass ich in einem Restaurant hervorragend gegessen habe, es dort aber unter der Woche gähnend leer ist. In so einem Fall gebe ich den Besitzern gerne ein ausführliches Feedback und einen konkrete Vorschläge für gezielte Wochentags-Angebote mit auf den Weg:
Montag: 50 % Rabatt auf zwei bis drei Biersorten und 30 % auf alle Vorspeisen.
Dienstag: 20 % Nachlass auf offene Weine und alle Fischgerichte um 15 bis 30 % günstiger.
Mittwoch: „Ladies Night“ mit großen Cocktails zum Preis von kleinen und einem Gratis-Dessert zu jedem Hauptgericht.

Rund ums Essen und die App „Too Good Too Go“
Teilen macht satt: Gelegentlich bezahle ich bei Street-Food-Ständen direkt die nächsten paar Portionen für hungernde Menschen mit. Oder ich lade die ältere Dame am Nebentisch, die sich selbst nur ein Wasser leisten kann, zu einem warmen Essen ein. Habe ich im Restaurant zu viel bestellt, lasse ich mir die Reste einpacken, ergänze sie z.T. sogar durch eine Nachbestellung zu einem vollwertigen Gericht und überreiche das Paket draußen einem Obdachlosen. Beim Lebensmitteleinkauf für Bedürftige auf dem Markt erlebe ich oft eine tolle Kettenreaktion: Erzähle ich den Händlern von meiner Aktion, legen sie oft spontan extra Obst und Gemüse gratis dazu.
Gleichzeitig ist es mir ein echtes Herzensanliegen, das Prinzip der App „Too Good Too Go“ bekannter zu machen und zu verbreiten. Das Konzept ist genial: Restaurants, Hotels und Tankstellen verkaufen überschüssiges Essen kurz vor Ladenschluss für ein Drittel oder der Hälfte des Originalpreises, anstatt es wegzuwerfen. Dank flexibler Filter findet jeder das passende Angebot. Immer mehr Geschäfte machen mit. Ich nutze die App regelmäßig. Wenn ich im Ausland dort Abendessen hole verschenke ich den überschüssigen Inhalt der Boxen meist direkt auf der Straße, da er für eine Person ohnehin zu üppig ist. Dieses Prinzip der Nachbarschaftshilfe nutzen wir auch im eigenen Wohnhaus, wo wir Vorräte wie Zwiebeln oder Kartoffeln ganz unkompliziert miteinander teilen.
Kaufen und Verschenken von Kleinigkeiten
Auf den lokalen Märkten kaufe ich bewusst Kleinigkeiten wie handgemachte Schlüsselanhänger, geschnitzte Holzfiguren, kleine Töpferwaren oder traditionelle Snacks, die ich selbst eigentlich gar nicht brauche. So unterstütze ich zuerst die Marktverkäufer finanziell. Im Laufe der Reise verschenke ich diese Kleinigkeiten dann weiter – als kleines Dankeschön an den hilfsbereiten Busfahrer, die nette Rezeptionistin oder jemanden anderes. Es kommt immer auf die Situation drauf an.
Weitere Anregungen
- Unterstütze einen Freund/Freundin, damit Sie ohne Zweitjob ein normales Leben führen kann – Beispiel Hà im Hotel (0,8€ Stundenlohn)
- Nach einem Unfall einige Tage Krankengeld zahlen für Freunde
- Jemandem den Job abnehmen für eine Weile/Stunde/Tag
- Kleinigkeiten während der Reise kaufen und an Personen auf der Reise verschenken
- Schulgeld bezahlen, einige Kinder können nicht zur Schule gehen, weil das Geld fehlt
Anmerkung zur Motivation für diese Texte
Eine Vielzahl faszinierender Menschen, die ich weltweit getroffen habe, bat mich eindringlich darum, meine Ansätze aufzuschreiben und zu verbreiten. Viele Familien in den Reiseländern leben in bitterer Armut und haben keinen Zugang zu teuren Bildungs- oder Finanzsystemen. Genau hier setzen meine Vorschläge an: Sie zeigen greifbare, kostenlose Wege zur Selbsthilfe auf. Ich möchte eine Welle der Inspiration anstoßen. Leser der „positive wave“ nehmen diese Ideen mit, setzen sie selbst in die Tat um, entwickeln sie im besten Fall kreativ weiter und geben mir weitere eigene Ideen, diese Sammlung noch weiter zu ergänzen.
- Die einzelnen Abschnitte dieses Textes bauen nicht aufeinander auf. Sie sind komplett eigenständig und lassen in beliebiger Reihenfolge lesen. ↩︎




Eines anderen Tages hatte die Rezeptionistin (0,8 € Stundenlohn) in einem Hotel in Da Nang, Vietnam mir während eines 2 stündigen Regengusses von allen möglichen Ausflügen in der Stadt und Region erzählt. ‚Die Bootstour habe sie noch nicht mitgemacht‘ und das, wo sie auch schon um die 25 war und aus dem Ort kam. Kurzerhand habe ich sie für den Abend zur Bootstour eingeladen. Sie meinte das wäre nicht möglich. Also habe ich ihre Chefin – gleicher Geburtsjahrgang wie ich, beste Voraussetzung – gebeten, ihre Schicht für 2-3 Stunden zu übernehmen. Siehe da, es war möglich. So konnte ich der Rezeptionistin eine kurze Auszeit mit Bootsfahrt und Abendessen ermöglichen, was für mich nur ein paar Euro kostete, für sie aber mehr als ein Tageslohn gewesen wäre. ‚Oh my god. You made my day‘ war mehr als genug Dank von ihrer Seite aus. Eine Win-Win-Situation. Denn so erzählte die Angestellte mir noch weiteres Insiderwissen über die Stadt, die ich sonst wohl nicht bekommen hätte. Nachdem ich mich am Tag drauf bei der Chefin und ihr noch mal mit Süßigkeiten aus einem Souvenirshop bedankt hatte haben sie mich zum internen Mitarbeiteressen zum Vollmondfest tags darauf eingeladen. Mir wurde eine große Ehre zu Teil.